Direkte Komposit-Restaurationen: Die Potenziale eines universellen Kompositsystems

Einleitung

Die Entwicklung moderner Kompositsysteme eröffnete Anwendern zunehmend die Möglichkeit, effektivere Ergebnisse zu erzielen – sowohl in ästhetischer als auch in funktionaler Hinsicht.

Füllstoffpartikel unterschiedlicher Größen verbesserten die Leistungsfähigkeit. Damit wurde die Kombination optimaler ästhetischer Ergebnisse durch ausgezeichnete biomechanische Komposit-Eigenschaften mit dem adhäsiv-restaurativen Zahnkomplex möglich.

Auch aus optischer Sicht wurden signifikante Fortschritte erzielt. Am Anfang standen opake Kompositmaterialien in einem einzigen Farbton. Heute sind verschiedene Farben, Opazitäten und Transluzenzen verfügbar, mit denen nahezu alle klinischen Situationen reproduziert werden können.

Die Anwendung eines universellen Kompositsystems ermöglicht das Handling fast aller klinischen Situationen, welche eine direkte adhäsive Behandlung erfordern. Ein universelles Kompositsystem umfasst:

  • Verschiedene Farben (somit unterschiedliche Farbschattierungen, häufig analog der VITA-Skala: A, B, C und D)
  • Verschiedene Farbtöne gleicher Farben (somit unterschiedliche Sättigungsgrade, z. B. A1-A4)
  • Opake Massen
  • Hochgradig transluzente Massen
  • Schmelzmassen unterschiedlicher Farben und Werte (Helligkeit)

Die Auswahl verschiedener Materialien innerhalb eines in sich schlüssigen Systems erleichtert die Herstellung vorhersagbarer Ergebnisse in verschiedenen klinischen Situationen – sowohl im Frontzahn- als auch im Seitenzahnberiech.

Die beiden nachfolgend beschriebenen klinischen Fälle sind in Bezug auf Lage, Größe und ästhetische Anforderungen sehr unterschiedlich. Sie wurden gezielt mit Materialien eines Universal-Kompositsystems behandelt (MosaicTM Universalkomposit, Ultradent Products). Der erste Fall zeigt einen jungen Patienten mit einer post-traumatischen Situation im Frontzahnbereich (Abb. 1 – 5). Der zweite Fall umfasst Situationen im Seitenzahnbereich, die in einer einzigen Sitzung behandelt wurden (Abb. 6 – 19).

Erster klinischer Fall

Der Patient stellte sich mit einem Trauma und einer partiellen Fraktur an 1.1 (Abb. 1) in der Praxis vor. Das frakturierte Element war leider nicht mehr vorhanden. Daher wurde eine direkte Komposit-Restauration durchgeführt.

Bei der ästhetischen Analyse des frakturierten Zahns und der kontralateralen Bereiche wurden die Opazitäten und Transluzenzen bewertet (Abbildung 2). Für die Behandlung solcher Fälle empfiehlt sich die Verwendung eines Komposits mit verschiedenen Farben (A, B, C, D), unterschiedlichen Sättigungsgraden und Schattierungen in verschiedenen Abstufungen (hoch und niedrig).

Das Farbschema des vorliegenden Falls sah ein niedrig gesättigtes Dentin A (Mosaic A1 Dentin, Ultradent Products) für den Dentinkörper und für die Schneidekante vor. (Diese wies von 0,3 bis 0,5 mm eine gewisse Opazität auf). Darüber hinaus wurde eine, für das Alter des Patienten typische, hochgradige Schmelzmasse (Mosaic EW – Enamel White) verwendet.

Eine klassische Isolation von Prämolar bis Prämolar ist nicht möglich. Daher wurde eine Retention geschaffen, indem eine “Schmelzspur” am Übergang zwischen dem mittleren und dem koronalen Drittel des Zahns geätzt wurde. Vor der Applikation des Komposits wurde ein Bonding appliziert (Abb. 3a).

An dieser Retention konnte eine Klammer für einen Kofferdam angebracht werden. Nach der Isolation wurde die Zahnkante minimal präpariert, um nicht zu viel Zahnsubstanz zu verlieren (Fig. 3a). Anschließend erfolgte die Adhäsion: Ätzen und Spülen mit 35% Phosphorsäure (Ultra-EtchTM Ätzgel, Ultradent Products) – 30 Sekunden am Schmelz und 15 Sekunden am Dentin (Abb. 3b).

Nach vorsichtigem Spülen wurde ein universelles Adhäsivsystem mit Chlorhexidin (PeakTM Universal Bond, Ultradent Products) 20 Sekunden appliziert. Anschließend wurde evaporiert und das Komposit wurde polymerisiert (20 Sekunden mit der VALOTM Polymerisationsleuchte, Ultradent Products, Abb. 3a).

Der recht kleine rückseitige Bereich der Restauration wurde manuell, ohne die Nutzung von Matrizen oder Silikonmasken, modelliert (Mosaic EW – Enamel White, Abb. 3c). Der Dentinkörper (Mosaic A1) wurde modelliert. Dabei wurde Platz für die, vor Beginn der Behandlung ermittelten, Transluzenzen berücksichtigt (Abb. 3d).

Eine letzte Schmelzschicht (Mosaic EW – Enamel White) wurde in Stärken von max. 0,3 bis 0,5 mm auf die Oberfläche aufgebracht (Abb. 3e).

3 - STEPs
Abb. 3a-e: a) Isolation des Arbeitsfelds, b) Ätzen mit Phosphorsäure, c) Palatinaler Bereich (Schmelzmasse), d) Dentinkörper, e) Oberflächenschicht aus (Schmelzmasse)

Das Finish und die Politur der Oberflächen erfolgten mittels Diamantscheiben und Gummipolierern in schrittweise feineren Strukturen (JiffyTM Polisher, Ultradent Products, Abb. 4).

Einen Monat nach der Behandlung war das Endergebnis, eine perfekt integrierte, ästhetische Restauration, sichtbar (Abb. 5).

 

Zweiter klinischer Fall

Der zweite Fall zeigt einen 32-jährigen Patienten, der sich mit verschiedenen kariösen Läsionen im 4. Quadranten vorstellte. Diese wurden mittels intraoraler Röntgenaufnahmen befundet (Abb. 6 und 7). Insbesondere waren an 4.5 mesial und an 4.6 mesial und distal, kariöse Läsionen sichtbar. 4.7 zeigte bereits eine vorhandene Restauration mit marginaler Pigmentierung.

Nach sorgfältiger Isolation des Arbeitsbereichs mit einem Kofferdam, wurde an 4.6 eine mesio-okklusale distale Kavität eröffnet (Abb. 8).

Der mesiale Hohlraum an 4.6 ermöglichte die Anfertigung einer “Tunnel-Kavität” (ohne marginale Einbeziehung) an der Oberfläche von 4.5 distal mit feststellbarer Erhaltung der Zahnsubstanz am betreffenden Prämolar (Abb. 9).

Nach Fertigstellung der Kavität wurden die Schmelzoberfläche 30 Sekunden (Abb. 10) und das Dentin 15 Sekunden (Abb. 11) mit Phosphorsäure-Gel (Ultra-Etch, Ultradent Products) geätzt.

Gründliches Spülen mit Wasser sorgte für die Entfernung des Ätzgels und die Inaktivierung des Demineralisierungsprozesses. Anschließend wurde das Adhäsivsystem Peak Universal Bond mit Chlorhexidin 20 Sekunden appliziert (Abb. 12), zwecks Verdampfung des Lösungsmittels sorgfältig getrocknet und dann erneut aufgetragen, um eine ausreichende Imprägnierung des, durch die Ätzung freigelegten Zahnsubstrats, zu gewährleisten.

Die Verwendung dieses Adhäsivs wird durch zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten gestützt. Demnach wirkt Chlorhexidin langfristig fixierend auf den Haftverbund, indem es als Inhibitor von Enzymen agiert. Dieser wiederum sorgt für die Destabilisierung der Kollagenfibrillen im Dentin.

Das Adhäsiv wurde anschließend 20 Sekunden mit einer Hochleistungs-LED-Lampe (VALO, Ultradent Products) ausgehärtet, um eine maximale Konversion der Adhäsiv-Monomere zu gewährleisten (Abb. 13).

Die Kavitäten wurden mit einem Universal-Komposit der neuesten Generation (Mosaic, Ultradent Products) rekonstruiert, um sowohl die ausreichende Widerstandsfähigkeit gegen Kaukräfte, als auch eine überragende Ästhetik zu gewährleisten.

Zunächst wurde die Tunnel-Kavität im Bereich 4.5 distal mit kleinen Komposit-Inkrementen gefüllt (Mosaic A2, Abb. 14).

Nach der Wiederherstellung von 4.5 wurde eine sektionale Matrix mesial an 4.6 angebracht, um den Randbereich (Mosaic A2, Abb. 15 und 16) exakt zu rekonstruieren. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, für die Finalisierung der Okklusalflächen der Restauration (Mosaic A2 und Mosaic EW – Enamel White, Abb. 17).

Peak Universal Bond kann abschließend erneut aufgetragen werden, um jegliche Oberflächenporosität abzudichten (Wiederverschluss) und kleine Schwachstellen im Randbereich oder an der Oberfläche der Restauration auszugleichen (Abb. 18). So wird langfristig eine einwandfreie hydrophobe „Beschichtung“ sichergestellt.

Abbildung 19 zeigt die finale Restauration. Der Kofferdam wurde vor dem Polieren entfernt.

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Über die Autoren

Gaetano Paolone:

Dr. Gaetano PaoloneProfessor für restaurative Zahnheilkunde an der Universität Vita-Salute San Raffaele, Mailand. Aktives Mitglied der AIC (Italienische Akademie für konservative Zahnheilkunde), der IAED (Italienische Akademie für ästhetische Zahnheilkunde) und der AIOM (Italienische Akademie für mikroskopische Zahnheilkunde). Dozent des Masterstudiengangs der ästhetisch-konservativen Zahnheilkunde, Alma Mater Universität, Bologna.

Dozent des Fortgeschrittenenkurses für ästhetische Zahnheilkunde, Universität Tor Vergata, Rom. Autor und Mitautor wissenschaftlicher Publikationen in nationalen und internationalen Zeitschriften sowie einiger Kapitel von „Endo-Prosthodontics und „Moderna Odontoiatria Estetica”. Workflows von A bis Z“, veröffentlicht durch Quintessenz International.

 

Lorenzo Breschi:

Prof. Lorenzo Breschi

Professor der konservativen Zahnheilkunde, Abteilung für biomedizinische und neuromotorische Wissenschaften, Alma Mater Universität, Bologna.

Direktor des Masterstudiums für ästhetisch-konservative Zahnheilkunde, Alma Mater Universität, Bologna. Präsident der Europäischen Gesellschaft für konservative Zahnheilkunde. Präsident der AIC (Italienische Akademie für konservative Zahnheilkunde).

Ehemaliger Präsident der ADM (Akademie für Dentalmaterialien) und der DMG-IADR (Gruppe für Dentalmaterialien – Internationale Gesellschaft für dentale Forschung).

Mitherausgeber des „Journal of Adhesive Dentistry“ und Autor von über 300 wissenschaftlichen Publikationen in internationalen Zeitschriften.


 

First published: Dental Cadmos – Edra Spa, 5/2017, Italy

 

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